Elektronische Rechnungsstellung Frankreich 2026: Vollständiger Leitfaden
Ab dem 1. September 2026 wird Frankreich eine der wichtigsten Rechnungsstellungsreformen Europas umsetzen. Alle französischen Unternehmen müssen in der Lage sein, elektronische Rechnungen zu empfangen, und große Unternehmen müssen diese ausstellen. Dieser Leitfaden erklärt alles, was Sie wissen müssen, um sich vorzubereiten.
Was ist die Reform der Elektronischen Rechnungsstellung?
Frankreich führt ein obligatorisches B2B-System für elektronische Rechnungsstellung als Teil seiner digitalen Transformation ein1. Die Reform zielt darauf ab:
- Mehrwertsteuerbetrug zu bekämpfen durch die Schaffung eines zentralisierten Meldesystems
- Die Mehrwertsteuererhebung zu vereinfachen und die Verwaltungslast zu reduzieren
- Geschäftsprozesse zu modernisieren von Unternehmen jeder Größe
- Sich an europäische Richtlinien zur digitalen Rechnungsstellung anzupassen (Norm EN 16931)
Im Gegensatz zu einigen europäischen Ländern, wo die elektronische Rechnungsstellung optional ist, macht Frankreich sie obligatorisch für alle B2B-Transaktionen zwischen französischen Unternehmen2.
Zeitplan: Wann Tritt Sie in Kraft?
Die Implementierung folgt einem gestaffelten Ansatz2:
1. September 2026
- ✅ ALLE Unternehmen müssen elektronische Rechnungen empfangen können
- ✅ Große Unternehmen (Umsatz > 1,5 Milliarden €) und ETI (250 M€ - 1,5 Milliarden €) müssen elektronische Rechnungen ausstellen
- ✅ KMU und Kleinstunternehmen müssen E-Rechnungen empfangen (können aber vorübergehend noch Papier-/PDF-Rechnungen ausstellen)
1. September 2027
- ✅ ALLE Unternehmen (einschließlich KMU und Kleinstunternehmen) müssen elektronische Rechnungen ausstellen
Wichtiger Punkt: Selbst wenn Sie ein kleines Unternehmen sind, haben Sie weniger als 8 Monate Zeit, sich auf den Empfang elektronischer Rechnungen vorzubereiten. Die Ausstellungspflicht folgt 2027.
Der Große Wandel: PPF Aufgegeben, Zertifizierte Plattform Obligatorisch
Was ist mit dem PPF passiert?
Ursprünglich plante Frankreich die Nutzung eines staatlich verwalteten Öffentlichen Rechnungsportals (PPF). Am 15. Oktober 2024 kündigte die Generaldirektion der öffentlichen Finanzen (DGFiP) jedoch eine wichtige Politikänderung an3:
Das PPF wird die Übertragung von Rechnungen NICHT MEHR verwalten. Es dient nur noch als Datenaggregationsplattform für die Steuerberichterstattung3.
Was ist eine Zertifizierte Plattform?
Eine Zertifizierte Plattform (PA), früher PDP (Partner-Dematerialisierungsplattform) genannt, ist eine staatlich zertifizierte private Plattform, die4:
- Rechnungen empfängt von Ausstellern
- Formatkonformität validiert - Stellt sicher, dass Rechnungen den Normen Factur-X, UBL 2.1 oder UN/CEFACT CII entsprechen
- Rechnungen überträgt an Empfänger (oder deren PA)
- Pflichtdaten extrahiert und an das PPF zur Steuerberichterstattung sendet5
- Rechnungsstatus verwaltet während ihres Lebenszyklus (gesendet, empfangen, validiert, abgelehnt, bezahlt)
Alle Unternehmen müssen jetzt eine PA nutzen. Es gibt keine Option mehr, sich direkt mit dem PPF für den Rechnungsaustausch zu verbinden3.
Obligatorische Elektronische Rechnungsformate
Frankreich erkennt drei standardisierte Formate an, die der europäischen Norm EN 16931 entsprechen6:
1. Factur-X (Hybrid PDF + XML)
Beliebtestes Format in Frankreich7.
Wie es funktioniert:
- Visuelles PDF für menschliche Lesbarkeit
- Integrierte XML-Daten für automatische Verarbeitung
- Eine einzige Datei enthält beide Formate
Vorteile:
- Einfach für Empfänger zu sehen (sieht aus wie ein normales PDF)
- Maschinenlesbar für automatisierte Verarbeitung
- Weitgehend von französischer Buchhaltungssoftware unterstützt
Versionen:
- Factur-X 1.0.06 (alt, noch gültig)
- Factur-X 1.0.07 (empfohlen, verbesserte Compliance)7
2. UBL 2.1 (Universal Business Language)
Internationale XML-Norm, gepflegt von OASIS.
3. UN/CEFACT CII (Cross Industry Invoice)
Alternative XML-Norm, entwickelt von der UN.
Wer Muss Sich Konform Verhalten?
Verpflichtet zur Ausstellung Elektronischer Rechnungen (September 2026):
- Große Unternehmen (> 1,5 Milliarden € Umsatz)
- ETI - Mittelgroße Unternehmen (250 M€ - 1,5 Milliarden €)
Verpflichtet zur Ausstellung Elektronischer Rechnungen (September 2027):
- Kleine und Mittlere Unternehmen (KMU)
- Kleinstunternehmen
- Selbständige
Verpflichtet zum Empfang Elektronischer Rechnungen (September 2026):
- ALLE in Frankreich registrierten Unternehmen
- Dies schließt Freiberufler, Selbständige und Kleinstunternehmen ein
Ausnahmen:
- B2C-Transaktionen (Unternehmen-zu-Verbraucher) - Nicht anwendbar
- Internationale Transaktionen (grenzüberschreitend) - Unterschiedliche Regeln bis 2030
- Spezifische Sektoren können temporäre Ausnahmen haben (konsultieren Sie Ihre PA)
Strafen bei Nichteinhaltung
Frankreich nimmt die Compliance der elektronischen Rechnungsstellung ernst. Mögliche Strafen umfassen8:
- 15 € pro nicht-konformer Rechnung (bis zu 15.000 € pro Jahr)8
- Ablehnung des Vorsteuerabzugs
- Verzögerungen bei der Zahlungsabwicklung
- Mögliche Prüfungen durch die Steuerverwaltung
Wichtig: Viele große französische Unternehmen haben angekündigt, dass sie Papier-/PDF-Rechnungen ab September 2026 ablehnen werden. Nichteinhaltung könnte Geschäftsverlust bedeuten.
Nächste Schritte
Das französische Mandat für elektronische Rechnungsstellung stellt einen wichtigen Wandel in der Geschäftstätigkeit dar. Ob Ihre Frist 2026 oder 2027 ist, die Vorbereitung muss jetzt beginnen.
Sofort empfohlene Maßnahmen:
- Überprüfen Sie Ihren Umsatz 2025/2026, um Ihre Frist zu bestimmen (2026 oder 2027)
- Bestätigen Sie, dass Ihre Buchhaltungssoftware Factur-X oder UBL 2.1 unterstützt
- Testen Sie die Generierung von E-Rechnungen mit Ihrer Software
- Kommunizieren Sie mit Ihren Hauptkunden über deren Vorbereitung auf elektronische Rechnungsstellung
Offizielle Ressourcen
- DGFiP - Facturation Électronique: impots.gouv.fr
- Liste der zertifizierten Plattformen: Offizielle PA-Liste
- Wirtschaftsministerium: Vollständiger Leitfaden
Tools zur Vereinfachung der Compliance
Bei Compliant Invoice bieten wir einen kostenlosen Rechnungsgenerator, der unterstützt:
- Generierung EN 16931-konformer Rechnungen
- Französische Pflichtfelder
- Mehrsprachige Unterstützung
- Export in Standardformate
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Quellen und Referenzen
Letzte Aktualisierung: 8. Januar 2026
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen auf der Grundlage öffentlich zugänglicher Quellen und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung betrachtet werden. Konsultieren Sie einen qualifizierten französischen Steuerberater für spezifische Beratung zu Ihrer Situation.
Footnotes
-
Ministère de l'Économie (2025). Tout savoir sur la facturation électronique pour les entreprises. ↩
-
Avalara (2025). France E-Invoicing E-Reporting Mandate 2026-2027. ↩ ↩2
-
Esker (2024). Communiqué DGFiP : les PDP au cœur de l'écosystème, le PPF en retrait. ↩ ↩2 ↩3
-
Systhen (2025). Qu'est-ce que les Plateformes Agréées (PA). ↩
-
AGIRIS (2024). Le portail public de facturation (PPF) : un rôle limité mais fondamental. ↩
-
N2F (2025). Facturation électronique 2026 : Comprendre la réforme et ses enjeux. ↩
-
SEEBURGER (2024). ZUGFeRD 2.3 et Factur-X 1.0.07 pour les e-factures. ↩ ↩2
-
Sovos (2024). E-Invoicing France - Exigences de conformité. ↩ ↩2