Deutschland: Obligatorische B2B E-Rechnung 2027-2028
Deutschland schließt sich Frankreich bei der Modernisierung der B2B-Rechnungsstellung mit einer wichtigen Reform an, die am 22. März 2024 vom Bundesrat im Rahmen des Wachstumschancengesetzes verabschiedet wurde1.
Ab 1. Januar 2025 müssen alle Unternehmen elektronische Rechnungen empfangen können. Ab Januar 2027 und 2028 wird die Ausstellung elektronischer Rechnungen je nach Unternehmensgröße obligatorisch1.
Dieser vollständige Leitfaden erklärt alles, was Sie wissen müssen, um die deutsche Reform einzuhalten.
Was ist die obligatorische elektronische Rechnungsstellung in Deutschland?
Deutschland führt ein obligatorisches B2B-E-Rechnungsmandat für alle inländischen Transaktionen zwischen deutschen mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen ein2.
Die Ziele der Reform
Die Reform zielt darauf ab:
- Mehrwertsteuerbetrug zu bekämpfen durch mehr Transparenz
- Geschäftsprozesse zu modernisieren und Bürokratie zu reduzieren
- Deutschland an die europäische Richtlinie EN 16931 anzupassen3
- Die Einführung der ViDA-Richtlinie (VAT in the Digital Age) der EU vorzubereiten1
- Die Effizienz des Handelsaustauschs zu verbessern
Was ist eine elektronische Rechnung?
Laut der deutschen Reform muss eine elektronische Rechnung (E-Rechnung)2:
- In elektronischem Format ausgestellt und empfangen werden
- Ein strukturiertes Format (XML) verwenden, das der europäischen Norm EN 16931 entspricht
- Die automatische Verarbeitung durch Computersysteme ermöglichen
Wichtig: Ein einfaches per E-Mail gesendetes PDF ist KEINE konforme elektronische Rechnung. Auch ein gescanntes PDF einer Papierrechnung zählt nicht. Ein strukturiertes Format ist erforderlich.
Implementierungszeitplan (2025-2028)
Die deutsche Reform folgt einer schrittweisen Einführung über drei Jahre:
1. Januar 2025: Empfangspflicht
Alle deutschen Unternehmen (unabhängig von ihrer Größe) müssen elektronische Rechnungen im EN 16931-Format empfangen und verarbeiten können1.
Was sich ändert:
- Sie können eine konforme elektronische Rechnung nicht ablehnen
- Sie müssen die technische Fähigkeit haben, XRechnung oder ZUGFeRD zu lesen
- Ihr Lieferant kann Ihnen eine E-Rechnung ohne Ihre vorherige Zustimmung senden
Was weiterhin möglich ist:
- Weiterhin Papier- oder PDF-Rechnungen akzeptieren (wenn Sie einverstanden sind)
- Ihre aktuelle Software verwenden, wenn sie bereits XRechnung/ZUGFeRD unterstützt
1. Januar 2027: Ausstellungspflicht (Große Unternehmen)
Unternehmen mit einem Jahresumsatz > €800.000 müssen alle ihre inländischen B2B-Rechnungen in strukturiertem elektronischem Format ausstellen1.
Temporäre Ausnahmen:
- Kleine Unternehmen (< €800.000 Umsatz) können weiterhin Papier- oder PDF-Rechnungen ausstellen
- Eine Übergangsregelung erlaubt das Senden von PDFs bis 31. Dezember 2027 mit Zustimmung des Empfängers4
1. Januar 2028: Ausstellungspflicht (Alle Unternehmen)
Alle deutschen Unternehmen, einschließlich kleiner Strukturen (< €800.000 Umsatz), müssen ihre B2B-Rechnungen in elektronischem Format ausstellen1.
Ab diesem Datum:
- Papier und einfache PDFs sind für inländische B2B-Transaktionen verboten1
- Nur strukturierte Rechnungen (XRechnung, ZUGFeRD usw.) sind akzeptiert
- Die Übergangsregelung läuft ab
Zeitplan-Zusammenfassung
| Datum | Verpflichtung | Wer? |
|---|---|---|
| 1. Januar 2025 | Empfang E-Rechnungen | Alle Unternehmen |
| 1. Januar 2027 | Ausstellung E-Rechnungen | Unternehmen > €800k Umsatz |
| 1. Januar 2028 | Ausstellung E-Rechnungen | Alle Unternehmen |
Akzeptierte elektronische Rechnungsformate
Deutschland erkennt mehrere Formate an, die der europäischen Norm EN 16931 entsprechen3:
1. XRechnung (Reines XML-Format)
XRechnung ist das offizielle deutsche nationale Format, bereits obligatorisch für B2G-Rechnungen (an die öffentliche Verwaltung seit 2020)5.
Merkmale:
- Reines XML-Format (keine visuelle Komponente)
- Streng konform mit EN 16931
- Entwickelt für vollständig automatisierte Verarbeitung
- In der gesamten deutschen Verwaltung verwendet
Aktuelle Version: XRechnung 3.0.2 (veröffentlicht 2024)3
2. ZUGFeRD (Hybrides PDF + XML-Format)
ZUGFeRD (Zentraler User Guide des Forums elektronische Rechnung Deutschland) ist das deutsche Hybridformat5.
Merkmale:
- PDF/A-3 mit integrierter XML-Datei
- Konform mit EN 16931
- Eine einzelne Datei enthält beide Formate
Aktuelle Version: ZUGFeRD 2.3 (identisch mit Factur-X 1.0.07 in Frankreich)6
Vorteile:
- Einfach zu lesen (visuelles PDF)
- Automatische Verarbeitung möglich (eingebettetes XML)
- Kompatibel mit französischem Factur-X (deutsch-französische Interoperabilität)
- Sanfter Übergang von aktuellen PDFs
Wer ist von der Reform betroffen?
Verpflichtete Unternehmen
Alle mehrwertsteuerpflichtigen Unternehmen in Deutschland2, einschließlich:
- Große Unternehmen (> €800.000 Umsatz)
- Mittlere Unternehmen (KMU)
- Kleine Unternehmen (< €800.000 Umsatz)
- Kleinstunternehmen
- Selbständige (Einzelunternehmen)
- Deutsche Niederlassungen internationaler Konzerne
Betroffene Transaktionen
Nur inländische B2B-Transaktionen zwischen in Deutschland ansässigen Unternehmen2.
Eingeschlossen:
- Verkaufsrechnungen zwischen deutschen Unternehmen
- B2B-Dienstleistungsrechnungen
- Gutschriften (Gutschriften)
Ausgeschlossen:
- B2C-Transaktionen (an Verbraucher): Keine Verpflichtung
- Internationale Rechnungen (an Unternehmen außerhalb Deutschlands): Keine Verpflichtung
- Rechnungen < €250: Ausgenommen2
- Umsatzsteuerbefreite Vorgänge: Ausgenommen
- Personenbeförderungsfahrkarten: Ausgenommen
Strafen und Folgen der Nichteinhaltung
Ablehnung des Vorsteuerabzugs
Das Hauptrisiko ist die Ablehnung des Vorsteuerabzugs (Vorsteuerabzug)2.
Wenn Sie nach den Verpflichtungsterminen eine nicht konforme Rechnung erhalten, können die deutschen Steuerbehörden:
- Den Vorsteuerabzug auf diese Rechnung ablehnen
- Zusätzliche Konformitätsnachweise verlangen
- Die Umsatzsteuererstattung verzögern
Steuerstrafen
Die deutschen Behörden (Finanzamt) können Verwaltungsbußgelder im Falle von:
- Systematischer Nichteinhaltung der Ausstellungspflicht
- Fehlender Fähigkeit zum Empfang von E-Rechnungen nach dem 1. Januar 2025
- Falsche Angaben zur Konformität
Beträge: Die Bußgelder sind noch nicht genau definiert, können aber erheblich sein (mehrere tausend Euro).
Wie bereiten Sie sich vor: Aktionsplan 2026
Mit weniger als 12 Monaten vor Januar 2027, hier ist Ihr Fahrplan:
Phase 1: Januar-Februar 2026 (Bewertung)
✅ Identifizieren Sie Ihr Rechnungsvolumen:
- Wie viele Rechnungen werden monatlich nach Deutschland ausgestellt?
- Wie viele Rechnungen werden aus Deutschland empfangen?
✅ Bestimmen Sie Ihre Frist:
- Umsatz > €800.000 → Verpflichtung Januar 2027
- Umsatz < €800.000 → Verpflichtung Januar 2028
Fazit
Die deutsche Reform der elektronischen Rechnungsstellung stellt einen wichtigen Wandel für alle in Deutschland tätigen Unternehmen dar. Mit Fristen ab Januar 2025 für den Empfang und Januar 2027-2028 für die Ausstellung muss die Vorbereitung jetzt beginnen.
Sofort zu ergreifende Schlüsselmaßnahmen:
- Überprüfen Sie die Kompatibilität Ihrer Buchhaltungssoftware mit XRechnung/ZUGFeRD
- Aktualisieren Sie Ihre Systeme bei Bedarf
- Schulen Sie Ihr Team über die neuen Prozesse
- Testen Sie Ausstellung und Empfang elektronischer Rechnungen
- Kommunizieren Sie mit Ihren deutschen Kunden und Lieferanten
Zögern Sie nicht: Mit dem 1. Januar 2027, der näher rückt, ist es Zeit, Ihr Unternehmen auf die elektronische Rechnungsstellung in Deutschland vorzubereiten.
Offizielle Ressourcen
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Quellen und Referenzen
Letzte Aktualisierung: 8. Januar 2026
Dieser Artikel bietet allgemeine Informationen auf der Grundlage öffentlich zugänglicher Quellen und sollte nicht als Rechts- oder Steuerberatung betrachtet werden. Konsultieren Sie einen qualifizierten deutschen Steuerberater für spezifische Beratung zu Ihrer Situation.
Footnotes
-
Generix (2024). En Allemagne, la facture électronique B2B s'imposera en 2028. ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6 ↩7
-
BTobNice (2025). Facturation électronique en Allemagne : nouvelles obligations pour les entreprises résidentes. ↩ ↩2 ↩3 ↩4 ↩5 ↩6
-
European Commission (2025). eInvoicing in Germany. ↩ ↩2 ↩3
-
EDICOM (2024). Les évolutions du projet de facturation électronique B2B en Allemagne. ↩
-
VIF Tax (2025). La facture électronique en Allemagne : Ce que les entrepreneurs doivent savoir. ↩ ↩2
-
SEEBURGER (2024). ZUGFeRD 2.3 and Factur-X 1.0.07 for e-invoices. ↩